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Klee- und Luzernebestände leistungsfähig erhalten
Das Gelingen des Leguminosenanbaus ist für jeden ökologisch wirtschaftenden Betrieb von zentraler Bedeutung – ob mit oder ohne Vieh. Neben vielen positiven Funktionen hinsichtlich Bodenfruchtbarkeit (Struktur, Humus, Bodenleben, usw.) verfügen Leguminosen über ein Alleinstellungsmerkmal: sie können den wichtigsten pflanzlichen Nährstoff (N) binden – sie sind somit die entscheidende Stickstoffquelle im Ökolandbau. Während die Körnerleguminosen, insbesondere die Körnererbse, bei vielen langjährig ökologisch wirtschaftenden Betrieben oft aufgrund bodenbürtiger Erreger Probleme bereiten können, sind Klee und Luzerne zum Glück vergleichsweise sicher bzw. wenig anfällig. Dennoch gilt es die Bestände regelmäßig aufmerksam zu beobachten und ggf. Gründe für schwache Bestände zu analysieren. Anders als bei den Körnerleguminosen entstehen schwache Klee- oder Luzernebestände meist eher aus einem Zusammenspiel von verschiedenen Ursachen als aus einer einzelnen Ursache.
Krankheiten
Rotklee
Erkrankungen des Rotklees treten häufiger in Regionen mit höheren Niederschlagsmengen auf. Dabei sind die wichtigsten Krankheiten der Kleekrebs (Sclerotinia trifolium) und die Anthracnose, auch Südlicher Stängelbrenner genannt (Colletotrichum trifolii). Kleekrebs kann im Frühjahr bis Anfang April an welken, verfaulten und abgestorbenen Pflanzen erkannt werden, die nesterweise Lücken im Bestand bilden. Sie sind Folgen einer Infektion, die im vorherigen Herbst erfolgt ist.
Die Symptome der Anthracnose des Klees beginnen im Jahresverlauf wesentlich später mit Läsionen an den Blattstielen, woraufhin einzelne Blätter welken und dann absterben. Es kann aber auch zum kompletten Ausfall kommen, so dass das Feld wie abgebrannt aussieht. Die Anthracnose tritt vor allem während heißer, aber feuchter Witterung im Sommer auf. Nach dem Schnitt kann dann beobachtet werden, dass der Klee zwar noch einmal austreibt, aber relativ bald verdorrt. Die welkenden Triebe lassen sich leicht von der Wurzel trennen. Die Bedeutung dieser Krankheit hat mit steigenden Temperaturen zugenommen und den Kleekrebs als wichtigste Krankheit des Klees abgelöst.
Der Kleekrebs hat auch deshalb an Bedeutung verloren, weil schon längere Zeit resistentere Sorten auf dem Markt sind und entsprechend eingesetzt werden. Aufgrund des vielfältigen Erreger- und Wirtsspektrums sind die Resistenzen aber bislang nicht hundertprozentig. Einige Neuzüchtungen von Rotklee besitzen auch eine erhöhte Widerstandfähigkeit gegenüber der Anthracnose (Jacob 2010). Gegen beide Krankheiten sind resistente Sorten der entscheidende Hebel zur Absicherung. Informationen zu den Resistenzen bzw. Toleranzen der einzelnen Sorten befinden sich in der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes, wobei wegen zu geringer Datenmenge noch nicht alle Sorten auf ihre Anfälligkeit gegenüber Anthracnose eingestuft werden konnten.
Luzerne und Glebklee
Die Luzerne und auch der Gelbklee erkranken häufiger - und zwar auf allen unterschiedlichen Standorten - an bodenbürtigen Krankheiten, wenngleich hier kein eindeutig dominierender Erreger genannt werden kann. Oft ist eine Mischung verschiedener Erreger nachweisbar. Die Luzerne reagiert nicht nur auf zu geringe Anbaupausen zu Luzerne und Gelbklee, sondern auch auf andere Vorfrüchte wie Rotklee oder Raps. Während Kleekrebs bei der Luzerne kein Thema ist, gibt es offensichtlich Sortenunterschiede in der Anfälligkeit gegenüber der Anthracnose. Mit der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zu diesem Thema wird für das Frühjahr 2012 gerechnet.
Weitere schwerwiegende Erkrankungen, die zum Teil über das Saatgut übertragen können, wie Kleeseide oder der Kleeteufel, sind glücklicherweise nur extrem selten zu beobachten.
Schädlinge
Nematoden können an Schädigungen von Kleebeständen beteiligt sein, auch wenn sie meist nicht die Hauptursache sind. Befallene Pflanzen zeigen Zwergwuchs, die Blätter sind deformiert bis verkrüppelt und an der Basis angeschwollen. Sie sterben früh ab und hinterlassen Lücken, in denen sich Unkräuter breit machen. Das Auftreten ist nesterweise. Fraßschäden durch Nematoden schaffen Eingangspforten für andere Erreger. Ein weit verbreiteter Schädling ist der Blattrandkäfer (Sitona ssp.). Nachdem er oberirdisch an den Blättern gefressen hat (was in der Regel harmlos ist), können die Larven sich von den Knöllchen an den Wurzeln ernähren. Die Stickstofffixierung ist dadurch eingeschränkt. Deshalb ist es wichtig, von Zeit zu Zeit Kleewurzeln mit dem Spaten auszugraben. Angestochene und ausgehöhlte Knöllchen deuten auf den Blattrandkäfer hin.
Alle paar Jahre kann es zu Zuflügen von Faltern wie der Gamma-Eule kommen, die im Extremfall ein ganzes Kleefeld auffressen können.
Nährstoffe
Sind Kalium, Phosphat, Schwefel und auch Spurenelemente im Mangel oder festgelegt, so können Ertragseinbußen und Reduktion der Stickstofffixierung eintreten. Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass eine ausreichende Versorgung mit Kalium die Widerstandsfähigkeit der Kleepflanzen verbessern kann. So wurden auch einer mit Kalimagnesia gedüngten Parzelle an den Pflanzenwurzeln deutlich weniger schädliche Nematoden festgestellt (Spieß 2010). Düngungsversuche zu diesem Thema sind auf jeden Fall interessant und leicht im eigenen Betrieb anzulegen.
Links und Quellen
- Spieß H.: Erfahrungen mit Luzerne- und Kleegras, in: Lebendige Erde 4/2010, S. 42-45
- Jacob I., Hartmann S., Schubinger F.X. und Struck C.: Genetic diversity of red clover varieties listed in Germany concerning the resistance to Southern Antracnose, in: Grassland Science in Europe, Vol, 15, 2010, S. 344-346
- Bundessortenamt: Beschreibende Sortenliste 2009, Futtergräser, Esparsette, Klee, Luzerne (.pdf)
- www.pflanzenkrankheiten.ch
Download
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Impressum
Autor: Werner Vogt-Kaute (Naturland)
Durchsicht und Redaktion: Ann-Kathrin Spiegel (FiBL Deutschland e.V.)
Quellenangabe bei Veröffentlichung
Werner Vogt-Kaute (Naturland)
Beitrag entstanden im Rahmen des Projektes „Steigerung der Wertschöpfung ökologisch angebauter Marktfrüchte durch Optimierung des Managements der Bodenfruchtbarkeit". Weitere Infos unter www.bodenfruchtbarkeit.org



